In der Überzeugung, dass die Intelligenz der Frauen der sicherste Weg zur Untreue sei, hat Arnolphe die junge Agnès in einer sorgfältig überwachten Unwissenheit aufgezogen. Er hat sie von der Außenwelt abgeschirmt und nach den 1.623 Regeln der Ehe erzogen, die er selbst erdacht hat, um aus ihr eine gehorsame zukünftige Ehefrau zu machen, die unfähig ist, ihn zu betrügen.
Der Plan scheint makellos. Bis Horace auftaucht. Eine Verbeugung, eine Liebeserklärung, ein heimlich zugesteckter Brief – und Agnès entdeckt die Liebe und vor allem ihren eigenen Willen. Arnolphes gesamter Plan fällt ins Wasser, und er wird zum Gefangenen seiner eigenen Strategie.
In der Regie von Cristi Juncu wird „Die Schule der Frauen“ zu einer bissigen und überraschend aktuellen Komödie über Besitzdenken, die Angst vor Lächerlichkeit und die Illusion, ein Mensch könne dazu erzogen werden, einem anderen zu gehören. Als Meisterwerk der klassischen Komödie erhält Molières Stück einen zeitgenössischen Rhythmus: In einer rasanten Abfolge von Situationen verbinden sich Farce und Gesellschaftskritik zu einem Theatererlebnis für jeden Geschmack.